Grame - Eindrücke



Baal - Entstehung & Form

Ein Baal entsteht, indem sich die Natur eines Grams vom amrischen ins baalitene Element verkehrt. Der Übergang ist extrem strapazierend für die Seele des Betroffenen. Das Phänomen tritt nahezu nie durch Zufall auf, sondern ist ein Produkt grausamer Folter, bei der der Gram unaufhörlich einer beträchtlichen Menge Baalit ausgesetzt ist. Niemand, der Mitschuld an der Geburt eines Baals trägt, kann ehrlich von sich behaupten, die endlose Qual des Grams währenddessen nicht wahrgenommen zu haben.

Zerbricht der Gram schlussendlich, fällt dessen Körper einem Prozess anheim, der ihn langsam von außen nach innen zersetzt. Haut, Fleisch, Sehnen und Knochen verfärben sich und verrauchen. Was übrig bleibt, ist ein rätselhaftes Gebilde, selten größer als der Kopf eines Neugeborenen. Weiße und schwarze Einschlüsse prägen seine Oberfläche. Das Material des Objekts ist extrem stabil und besitzt ein enormes Gewicht, das es förmlich am Boden verankert. Nur mithilfe von Seilzügen oder unter Aufbietung der Anstrengung dreier Kraftprotze ist es möglich, das Gebilde anzuheben.
Die Issír bezeichnen ein solches Überbleibsel als Gram-'Urne', während die Äos es als 'Gramfack' verlachen. Alle Versuche, den Überrest eines Grams zu zerstören, scheitern bislang an dessen hochgradiger Härte.

Aufmerksame Beobachtung über einen längeren Zeitraum lässt erkennen, dass sich die hellen und dunklen Schlieren auf der Oberfläche des Überbleibsels in stetigem Wandel befinden.



Baal - Aussehen

Allein die zweite Sicht eines Draciers kann enthüllen, dass es nicht nur ein Gebilde ist, das bei der Geburt eines Baals entsteht. Im letzten Moment seiner Auflösung trennt sich ein Streif tiefster Dunkelheit vom Gram und dringt in einen der Umstehenden ein. Dessen Lebenszeit wird für den Dracier im selben Zuge unleserlich, ganz so, als würde die Sicht auf dessen Seele von einem Schatten versperrt.

Fortan wird der Träger des Baals diesen als schemenhafte Gestalt erblicken, bleich wie Gebein oder finster wie Teer. Manchmal in tierischer, menschlicher oder monströser Gestalt lauert das beängstigende Wesen ihm auf, wohin er sich auch wendet, und scheint ihm dabei stets etwas näher zu kommen. Erscheint der Baal anfangs nur während Zeiten der Dämmerung, nimmt sein Träger seinen Verfolger schon bald durchgängig wahr. Eine bedrohliche Gestalt, die kein anderer sieht - mitunter ein Flüstern, das niemand sonst hört. Belastende Ängste und Alpträume zermürben den Geplagten. Nach acht Tagen sinkt selbst der Starrsinnigste in die Erschöpfung. Ist schließlich die letzte Nacht erreicht und sein Opfer dem Zusammenbruch nahe, schlägt der Baal zu.



Baal - Eigenschaften

Wie der Gram, dessen Existenz der Baal nach all der Marter fortsetzt, verfügt auch der Baal weiterhin über fragmentierte, verfälschte oder keine Erinnerungen an das Leben vor seinem Wandel. Wie der Gram sehnt er sich danach, Bedeutung und Zugehörigkeit wiederzuerlangen, doch im Gegensatz zum Gram fehlt ihm die körperliche Form, um am Leben teilzunehmen.
Die Welt, die er einst kannte, versinkt hinter einem Schleier aus Helligkeit und Schwärze. Nur wenige Pfade, manche deutlicher, andere kaum mehr als Instinkt, schälen sich für ihn aus dem Ungewissen hervor. Folgt er einem dieser Pfade, gelangt er zu einem Körper, der möglicherweise sein eigener war. Ihn zu erreichen, wird zum Ziel des Baal, der sich davon die Rückkehr zur Welt seines Ursprungs verspricht.



Besessenheit


Gelingt es einem Baal zum ersten Mal, wieder einen Körper zu erlangen, öffnet sich ihm eine Fülle von Erinnerungen. Schlägt er die Augen auf, blickt er auf eine Welt hinaus, die wieder so ist, wie sie sein sollte. Formen, Farben, Gerüche, Geräusche... alles ist vertraut. Und auch er selbst kennt sich: seinen Namen, seine Geschichte, seine Fähigkeiten, seine Wünsche und Sorgen. Endlich ist er wieder der, der er war, bevor alles in Verwirrung versank. Vielleicht war all das... der Wandel, die Leere, die Folter... nur ein langer Alptraum, der nun vorüber ist. Wäre da nur nicht diese nervtötende, Stimme, die dauernd versucht, sich einzumischen...
Der Baal genießt alles: sowohl die Sorgen als auch die Genüsse. Gewisse Zonen gilt es zu meiden, weil dort die Stimme an Macht gewinnt und sich durchsetzt, wenn man nicht Acht gibt, aber schnell stellt sich heraus, dass die Nähe zu etwas Baalit dem Ganzen vorsorgt.
Eine Phase zieht ins Land und eine weitere beginnt... in der er mit Mal feststellt, dass die Stimme seltener erklingt und er manches vergisst. Nur Kleinigkeiten zu Anfang, doch es werden immer mehr. Schon kurz darauf blickt er in den Spiegel, um festzustellen, dass die Stimme schweigt und ein Niemand ihm entgegen blickt. Die Erinnerungen sind aufgezehrt; das unerwünschte Geleit ausgelöscht. Er ist wieder so verloren, wie er zu Anfang war. Dies war offenbar nicht sein Körper. Nur ein fremder Verstand, den er aufgezehrt hatte. Ein geliehenes Leben, das nun ebenso getilgt war wie sein eigenes.
Dieser unerträglich leere Blick im Spiegel - abermals ein verlorenes Ding. Abseits der wachenden Welt jedoch, in seinen Träumen, warten noch immer die Pfade... schemenhafte Spuren, die zu neuen Körpern und reichen Erinnerungen führen. Eine allzu verlockende Fülle, wo die eigene Leere doch so belastend ist.

Ein leerer Verstand erwacht, wenn ein Baal sein Opfer zurücklässt. Jegliche Erinnerung, Vorliebe und Eigenart ist fort... unwiderbringlich verzehrt von einem wandernden Schatten, den Freunde und Bekannte selten als solchen bemerken, bevor es zu spät ist.



Baal - Schwächen

Baal meiden Gefilde, die von Amra erfüllt sind. So wie Grame die Anwesenheit ihrer Schöpfungsmacht verehren und zum Überleben brauchen, fühlen sich Baal davon abgestoßen. Verweilen sie zu lange darin, erstarkt der ursprüngliche Besitzer des Körpers und droht, sie zu verstoßen. Manchen starken Seelen gelingt dieser mentale Kraftakt, doch mit jedem neuen Körper wird ein Baal besser darin, dies zu vermeiden. Baal gelanden nur in Opfer, wenn diese zum Zeitpunkt ihres Eindringens nicht von Amra umgeben sind.
Bis zum Eintritt der Besessenheit verbirgt sich ein Baal auf der fünften Ebene des Seins in unmittelbarer Nähe des Auserkorenen. Dort erreicht ihn keinerlei Amra. Allein ein fähiger Traumwandler kann ihn in diesem Zustand erreichen und vertreiben.

Die verstärkte Präsenz von Amra lässt einen Baal leiden. Üblicherweise zögert ein Baal seine Austreibung möglichst lange hinaus.

Ein Baal stirbt, sobald seine Urne zerstört wird, die ihn in der Welt verankert. Besteht die Urne fort, trägt sie seine verbliebene Lebenszeit in sich, mit deren Ende der Baal von selbst erlischt.

Es ist bislang nicht geklärt, ob ein Baal in einen Gram zurückversetzt werden kann.

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