Übersicht
Gelegen im sumpfigen Westen des Kontinents, offenbart sich Xerx als Konglomerat des Aberglaubens und der Alchemie. Hier brodeln Tag und Nacht nicht nur die Gerüchte, sondern auch die Kessel. In der xaraxanischen Hauptstadt Oas lassen sich die größten Gaumenfreuden genießen, die schönsten Düfte erschnuppern und die wundersamsten Salben erproben... ganz abgesehen von all den vielfältigen Gelüsten, die sonst noch in freizügiger Manier bedient werden. Gegen entsprechende Münze ist kein Begehr zu abstrakt, keine Idee zu skurril und kein Tabu zu delikat. Sogar das Leben selbst ist hier käuflich - denn wer xaraxischen Balsam sucht, der wird ihn in Xerx zweifellos finden. Nicht auf legalem Wege zwar... aber wer weiß schon, welche Gesetze in den ruchlosen Hinterzimmern gelten?

Xerx blüht in rauschendem Leben. Stets liegen Handelsschiffe vor Anker, doch besonders von unterhalb der See strömen unentwegt exotische Schätze an Land. Waren, die die Vorstellungskraft der Landbewohner kitzeln, sind auf den chaotischen Märkten innerhalb der Gassen in Hülle und Fülle zu finden. Doch Amras Wandel ist auch an der Pforte Xoas nicht spurlos vorbeigegangen.

Der 'fremde See', einst 'See des ewigen Glücks' genannt, und weite Teile der Südstadt wurden vor zwei Zyklen von einem amrischen Sturm heimgesucht. Seitdem bemühen sich die Bewohner, die verfremdeten Bezirke wieder urbar zu machen. Ein gewagtes Bestreben, das so manches Opfer fordert, denn die Wandlung hat in Xerx für eine andauernde Verzerrung gesorgt, die all jene zu vereinnahmen scheint, die sich zu lange im fremden Teil der Stadt aufhalten. Man spricht von missgünstigen Schatten, von Gramen und Flüchen... und nicht nur ein Mittelchen ist im Umlauf, das Schutz vor alledem verspricht. Wer das fremde Xerx auf der Suche nach verlorenen Schätzen durchstöbert, sollte Acht geben, sich nicht am Ende selbst in der städtischen Anderswelt zu verlieren...

Der Pfad der Liebenden
Berühmt für seine lange Tradition, gilt der Pfad der Liebenden als anerkannte Praxis, um einen Bund fürs Leben zu schließen. Anders als beim Treueschwur unter Epheons Segen erfordert der Pfad keinen sylphischen Priester und unterliegt keinerlei Bedingung: Außer dem Willen des Paars, sich einander auf ewig zu versprechen. Die Tradition ist so tief in der Kultur der Gjad verankert, dass es glühende Blicke zur Folge hat, wann immer jemand eine Einladung ausspricht, 'nach Xerx zu reisen'.

Der amrische Sturm hat hier für die womöglich größte Veränderung gesorgt. Denn seitdem der Brückenweg über den fremden See gesperrt ist, besteht der Pfad der Liebenden nur noch aus sechs Wegen, die sich in sternförmiger Manier durch die Stadt ziehen. Beginnend am blauen Beet der Sorglosen, einer Form von Rose, die nur in Xerx blüht, stehen die Pfade sinnbildlich für all die Genüsse und Prüfungen, die ein werdendes Paar gemeinsam zu meistern hat, um in ihrer Liebe zukünftig Glück zu erfahren. Als besonders brisant gilt hierbei der fünfte Pfad: Die verruchte Schönblick-Gasse. In wärmstes Licht getaucht, durchdrungen von sinnlichstem Duft, wirkt so mancher Partner hier auf Mal viel weniger attraktiv und die ewige Treue wie ein allzu trauriges Schicksal. Übersteht das Paar auch diese Prüfung und bleiben die zwei Sorglosen sicher in ihren Händen bewahrt, wartet der sechste Abschnitt: Der Weg zum Tor der Geduld. Neuerdings endet der Pfad der Liebenden hier, nachdem das Tor sieben Mal gemeinsam durchschritten wurde. Die Sorglosen werden von den Liebenden in fruchtbare Erde gesetzt und ihr Bund durch einen Kuss besiegelt.

Nicht wenige Künstler und gewiefte Händler halten am Tor der Geduld die Stellung, denn wo Gefühle und Erinnerungen verewigt werden möchten, lässt sich oft mehr als nur ein Silberling verdienen.

Die verbotene Brücke
Allen Warnungen zum Trotz geschieht es immer wieder, dass junge Paare, die vom 'ewig geduldigen Ende' am Tor enttäuscht sind, sich auf den versperrten Brückenpfad über den See wagen, um sich auf der vielgerühmten 'Insel des ewigen Glücks' ihre Liebe wahrhaftig zu geloben. Aufgrund der vielen tragischen Vorfälle, die dieses 'romantische Wagnis' zur Folge hat, wurde auf Drängen der Schirmherrschaften der Stadt eine besondere Wacheinheit gegründet. Deren Aufgabe besteht darin, über die Gefahren des fremden Sees aufzuklären und waghalsige Paare notfalls mit Gewalt daran zu hindern, in ihr liebestolles Verderben zu rennen...
Denn allmählich beginnt man in Xerx, einen neuen Namen für die Insel im See zu prägen, auf der einst die schönsten blauen Sorglosen alle Zyklen über blühten: Die Insel des ewigen Wandels.