Übersicht
Szion'zin, der mächtigste Komplex der Yi'Zari, liegt in einer tiefen Karstschlucht inmitten des tropischen Regenwalds im nördlichen Zo'Ungoru. Ein reißender Wasserfall stürzt auf südlicher Seite in die gut hundert Meter tiefe Senke, aus der gewaltige Baumriesen bis auf Höhe des Wasserfalls und noch einmal gut zwanzig Meter darüber hinaus wachsen. Knapp oberhalb des Wasserfalls begrenzt ein Wehr den Nun'Zyn, der sich dadurch in zwei Ströme teilt. Das Wehr sorgt dafür, dass kein Binnenschiff und kein Xaraxar in den falschen Strom gerät.

Das herab stürzende Wasser versorgt den Komplex mit Frischwasser, der von gut versteckten, seidenen Röhren in alle erdenklichen, fernen Bereiche geleitet wird. Darüber hinaus treibt die Kraft des fallenden Wassers gewaltige Wasserräder an, die hinter dem weißen Wasserschleier verborgen ihr Werk verrichten. Mithilfe ihrer Kraft werden Seilzüge in Gang gesetzt, die nicht nur Wasser auf höhere Ebenen transportieren, sondern ganz nach Bedarf auch ganze Plattformen, die über Hebel und Knoten von den yi'zarischen Bewohnern bedient werden können. Nach unten werden große Lasten jedoch nur selten mit den Seilzügen bewegt. Man überlässt diese Aufgabe den Senkspinnen, die jegliche Güter mit Leichtigkeit umspinnen und das verpackte Gewicht mithilfe eines stabilen Fadens aus ihrem Hinterleib in die Tiefe abseilen. Senkspinnen sind die größten Arachniden in Szion'zin und selbst manch hochgewachsener Sylph kommt sich in Gegenwart der silbernen Riesen bloß wie ein kleiner Happen vor, wenn er sich im Fokus ihrer acht Augen wähnt.

Vom Wehr aus führen seidene Wege in den Komplex. Die zentralen Brücken sind stets gut gepflegt und so breit und stabil, dass selbst voll beladene Gespanne auf ihnen fahren können. An das milde Nachfedern gewöhnen sich Volksfremde rasch, denn die Stabilität yi'zarischer Architektur steht außer Frage. Eine Tatsache, die zahllose Studien der Issír immer wieder belegen konnten. Was die meisten Besucher viel eher beunruhigt, sind die zahllosen weißen Spinnen, die die Unterseite der Brücken entlang krabbeln, sich wie aus dem Nichts von oben in die Tiefe abseilen, auf Kopfhöhe hängend verharren oder in Strömen kleiner Leiber plötzlich aus einem zuvor unscheinbaren Kokon in der Umgebung platzen. Die Spinnen Szion'zins sind allgegenwärtig, vermeiden jedoch jeglichen Kontakt zu den Bewohnern der Stadt, weswegen selbst Ansässige sich mitunter nicht entsinnen können, wann sie zuletzt eine Spinne berührt haben. Die einzige Ausnahme bilden die trainierten Haus- und Wächterspinnen, die jedoch im Gegensatz zu allen übrigen auffällige Farben und Muster besitzen, die sie klar als solche kennzeichnen. Bereits am Wehr wird auf ein bestimmtes Muster hingewiesen, das unter allen Umständen zu meiden ist. Dieses Muster findet sich mitunter sogar auf Türen und Objekten oder an besonderen Orten innerhalb des Komplexes. Volksfremde sind gut beraten, die Warnung zu beherzigen.

Das ewige Zwielicht, das Szion'zin tagsüber beherrscht, hat den faszinierenden Nebeneffekt, dass jegliches Licht auf besondere Weise hervortritt. So geht von den gewaltigen, flachen Porlingen, die wie Pilzbalkone an den Baumriesen wachsen, ein angenehmes Glühen aus. Ihr Licht ist in größerer Höhe kühler als in der Tiefe der Senke, wodurch die tieferen Ebenen des Komplexes eine optische Wärme ausstrahlen, die dazu einlädt, weiter hinabzusteigen. Die glühenden Balkone bilden oft Knotenpunkte zwischen den Brücken. Diese gut frequentierten Plätze nutzen Händler für ihre offenen Stände. Manche davon wirken fest mit dem Baumpilz verbunden, während andere erscheinen, als könnte der Händler sie in wenigen Augenblicken zusammenklappen und zur Seite schaffen. Größere und kleinere Pforten führen über die Porlinge ins lichtdurchflutete Innere der Bäume, wo Lokalitäten mit gutem Essen und Etablissements mit vielfältiger Unterhaltung locken. Szion'zin hat jedem etwas zu bieten, der in der Lage ist, mit seinem Vermögen oder seinen Fähigkeiten dafür aufzukommen: sei es noch so exotisch, verrucht oder gefährlich.

Die Stätten der Bewohner finden sich stets ein gutes Stück oberhalb solch belebter Zonen. Die erleuchteten Fensteröffnungen und Türen werden nicht selten von gut getarnten Wächterspinnen geschützt, sodass Diebe ihr Vorgehen sehr aufmerksam planen sollten. Die Heimstätten der Yi'Zari müssen aber nicht zwangsläufig innerhalb der Bäume liegen, sondern können auch die Form von offenen, aus reiner Seide gewirkten Palazzos annehmen, die sich in schwebender Höhe auf den höchsten Ebenen des Komplexes ausbreiten. Der Zutritt zu diesen Bereichen erfordert stets eine Einladung und jeglicher 'Emporkömmling' wird gewissenhaft kontrolliert und nötigenfalls brutal abwärts gesandt. Nachts sind die exklusiven Sternenhöfe zwischen den Baumkronen heiß begehrt, sodass sich so mancher Yi'Zari den Kopf darüber zerbricht, wie er an genug Einfluss gelangt, um in den Genuss zu kommen, nachts dort oben zu flanieren.

Auch die Tiefe des Komplexes hat ihre Reize und ihre Gefahren. Dort schimmern die glasklaren tiefen Seen, die an ihrem Grund mit flinken Fischen und schimmernden Gewächsen in den buntesten Farben faszinieren. Hier verbringen die Yi'Zari ihre Freizeit mit Schwimmen und Tauchen, wobei sie nach Kräften vermeiden, Gift ins Gewässer dringen zu lassen. Doch selbst, wenn es einmal geschieht, dass ein Yi'Zari seine Vorsicht vergisst, scheint sich das Leben der Seen darauf eingestellt zu haben.

Das Markenzeichen Szion'zins besteht natürlich aus seinen unnachahmlichen Lichtern. Schon die Porlinge bestechen durch ihr intensives Glühen, das alle Objekte und Wesen auf ihnen von unten beleuchtet, doch die wahre Pracht Szion'zins zeigt sich zur Morgen- und Abendstunde - wann immer in Zo'Ungoru die Dämmerung hereinbricht. Dann beginnt der Reigen der Tausend Lichter. Jede einzelne Spinne und jeder Kokon des Komplexes verfällt in ein übersinnliches Strahlen. Jedes Licht für sich scheint bemüht, die schönste Helligkeit zu verströmen. Wie zur Antwort erstrahlen auch die tiefen Seen, die Porlinge und Lichter der Brücken noch intensiver. Glühwürmchen und andere lumineszierende Insekten wirbeln von überall her in den Komplex und bilden tanzende Strudel inmitten der plötzlich schwerelos wirkenden Seidenbrücken und silbern schimmernden Gewirke. Es ist ein Anblick, der den Komplex jedes Mal aufs Neue in entrückte Ehrfurcht versetzt.

Das Dunkel
Die Seen führen noch tiefer in den Untergrund des Komplexes und verzweigen sich zu einem verwirrenden Höhlensystem, das die wenigsten Volksfremden unbehelligt wieder verlassen, sollten sie es gewagt haben, die warnenden Muster zu ignorieren und den tiefen Wegen entlang der Seen zu folgen. Hier im dunkelsten Abschnitt der Stadt vegetieren nicht nur die gefährlichsten Wächterspinnen, sondern auch die Verpflichteten: All jene Unglücklichen, die sich erdreistet haben, Zo'Ungoru ohne Tribut ans Volk der Geister zu betreten. Bis eine Aufgabe für sie gefunden ist, mithilfe derer sie sich ihre Freilassung verdienen können, überlässt man sie sich selbst. Nur gelegentlich tritt man einige unverzichtbare Güter oder gütige Spenden ans Dunkel ab.

Das Immerlicht Szion'zins
Am Rande der Seen, weit in der Tiefe des Komplexes, führt ein gut bewachter Tunnel in einen mysteriösen Teil des Dunkels, der allein den Sternenwebern vorbehalten ist. Nicht einmal die ansässigen Yi'Zari wissen, was sich dort im Geheimen verbirgt. Es ist nur bekannt, dass die Sterne Szion'zins die Abgeschiedenheit des Immerlichts nutzen, um sich ungestört mit den Präsenzen Zo'Ungorus auszutauschen. Niemand bezweifelt, dass die Sternenweber all ihr Können und ihre Erkenntnis darauf verwenden, die Geschicke des Volkes aus dem Verborgenen heraus zu lenken, um die bestmögliche Zukunft zu erwirken.

Die Lieder der Dämmerung
Zu jeder Dämmerung erklingt eine Melodie in Szion'zin, die den Tanz der tausend Lichter untermalt. An jedem Tag wird jeweils eine Strophe gesungen. Alle Strophen sind Teil von zwei acht-strophigen Liedern. Zum Beginn einer neuen Zeit beginnen auch die Lieder der Dämmerung wieder bei der ersten Strophe.

Ella'Mija
Gruß der morgendlichen Dämmerung zur fünften Spanne

Noel'Joon
Gruß der abendlichen Dämmerung zur dreizehnten Spanne