Übersicht
Ein schwebender Felskoloss, der nach unten hin schmaler wird, bildet die Basis der Stadt. Das mächtige Massiv ist durchzogen von hellen Gesteinsschichten und stark von Ranken begrünt. Selbst auf halber Höhe befinden sich noch gut sichtbare Simse, Aushöhlungen und Tore - wenn auch stets versiegelt. Ab dem oberen Drittel, in Terrassen aufsteigend, reihen sich weiß getünchte Gebäude, runde Türme und Brücken aneinander. Man erblickt viele gepflegte Parks, schattige Plätze, ansehnliche Bühnen und halb-offene Galerien. Oft führt der fußläufige Weg über weite, flache Treppen und durch sorgsam gepflasterte Gassen zwischen allerhand prächtigen Anwesen entlang. Man hört sanfte Musik und plätscherndes Wasser aus verschiedenen Richtungen. Ima-Luvis verfügt über viele künstlich angelegte Bachläufe, die sich als stufige Wasserfälle über stilvoll begrünte Terrassen ergießen, zwischen Anwesen verschwinden, durch Gärten fließen und etwas tiefer wieder in offene Becken strömen. Kunstvolle Brunnen verbergen Relikte, die das Wasser reinigen, sodass es stets kristallklar und trinkbar bleibt. Sitzende Falkenstatuen, teils groß, teils klein, doch stets vergoldet, wachen über die Geschehnisse in der Stadt. Auf ihnen prangt das sylphische Wappen - auch an vielerei anderen Orten stolz hervorgehoben. Kleine, gut geschützte Gebetsnischen laden dazu ein, gelegentlich eine dankbare Preisung an Epheon zu sprechen.
Goldene Kuppeln, teuer verzierte Türen und Fenster mit vergoldeten Fensterläden künden vom Reichtum der Hauptstadt Pheretias. Breite, halbrunde Balkone, die als öffentlich oder privat gekennzeichnet sind, gewähren nur jenen Zugang, die über Flügel verfügen - oder die mithilfe eines geflügelten Geleits dorthin gelangen. Am höchsten Punkt, zentral gelegen, erhebt sich Epheons goldener Tempel, dessen seitliche 'Flügel' an abstrakte Schwingen erinnern. Im rechten Flügel, in dem die Priesterschaft verweilt, finden die (öffentlichen) Gottesdienste und die (keineswegs öffentlichen) Reinwaschungen statt, während im Linken der Monarch mitsamt seiner Dynastie residiert und regiert. Im versenkt angelegten, mittleren Zentrum des Tempels schwebt Epheons Träne - das höchste Heiligtum der Sylphen. Nur außergewöhnliche Zeremonien finden im Angesicht der Träne statt: Dazu zählen die Hochzeiten der hohen Gesellschaft, das erste Festversprechen junger Sylphen sowie die Krönung des Monarchen. Der Tempel erstrahlt stets zuerst im Morgengrauen und glüht zuletzt im Abendrot. Sein Strahlen erkennt man selbst noch aus weiter Ferne.
Die Architektur in den Innenräumen der schönen Stadt ist von Säulen, hohen Decken und langen Sälen geprägt. Es gibt eine gut durchdachte Kanalisation und fließendes Wasser in den Gebäuden. Kein Wasser strömt von den Kanten des schwebenden Massivs, sondern zirkuliert, indem es vor dem Sturz in Spalten verschwindet und mithilfe amrischer Relikte innerhalb des Gesteins gereinigt und wieder emporgehoben wird. So mancher Gang führt in die felsigen Tiefen der Stadt. Die inneren Bereiche sind jedoch für Unbefugte gewissenhaft versiegelt. Die Adlergarde rühmt sich damit, jeden Zugang zu kennen. Strafen drohen jenen, die sich ohne Erlaubnis einen Weg hinab bahnen wollen.
Das ist den Sylphen nur recht, denn man hält eh wenig davon, die engen Tiefen zu besuchen - viel lieber hält man sich im luxuriösen Freien auf. Es gibt allerhand begrünte und von Blumen umkränzte Pavillons. Diese prächtige Lauben, Pavills genannt, dienen dem Genuss von Tee, Mocca, Gebäck oder Shirash. So gut wie nie gibt es in einem Pavill mehr als eine einzige, exklusive Spezialität. Man ist gewohnt, sich immer wieder in aller Seelenruhe von Pavill zu Pavill zu bewegen. Müßiggang gilt als edel. Kein Sylph, der etwas auf sich hält, hetzt. Man gönnt sich und anderen Zeit - abgesehen von den (zumeist volksfremden) Angestellten, die kritische Blicke ernten, wann immer die bestellten Genüsse nicht in angemessen empfundener Zeit eintreffen.
Angereiste Künstler stellen auf den Plätzen ihre Kunstwerke aus und hoffen auf Käufer - oder besser noch: geneigte Mäzen. Adrette Marktstände, nie gedrängt, preisen, nie zu laut, Kostbarkeiten an. Alles ist von Luxus geprägt. Alles will edel erscheinen. Die Zurschaustellung von Armut wird in Ima-Luvis nicht geduldet, gilt sie doch als öffentliches Ärgernis. Die Verbrechensrate ist sehr gering, denn die innerstädtische Garde ist gefühlt allgegenwärtig - dabei ist sie selten auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Die Unterkünfte der Garde sind für Nicht-Gardisten unzugänglich, doch die Arena, in der Rekruten ausbildet werden, wird nicht selten von Schaulustigen besucht.
Auch nachts leuchtet Ima-Luvis noch lange und wirkt dabei wie ein sanftes, heiliges Feuer, das über dem fruchtbaren Land schwebt. Die Sylphen verehren ihre goldene Stadt. Ihr Glanz wird in Liedern besungen und ihre Schönheit in vollendeter Weise nur durch Poesie beschrieben.