Die Stimme der Weberin sank weiter, was es schier unmöglich machte, mehr zu verstehen. Plötzlich zischte es gleich mehrfach, was Ascan erschrocken die Wächter ins Gedächtnis rief. Gerade noch rechtzeitig schüttelte er eine überdimensionale Spinne von seiner Schwinge, bevor diese zubiss. Die andere traf sein Handschuh und beendete damit deren kurzen Ausflug über seinen Brustpanzer. Genug!

Trocken barsten die weißen Streben unter seinem Stiefel. Das Krachen ließ den Kopf Aliêsoras empor schnellen. Blanke Fassungslosigkeit grub sich in ihre Falten, als sie des riesigen, schwarzen Adlers gewahr wurde, der soeben das letzte Hindernis pulverisierte und sich in die Kammer zog. „Auf Abstand!“, sandte der Damoreth seinen Befehlston in den Spinnenbau. „Wir machen heute nur einen Gefangenen!“

Die Alte hob ihre Hände schützend vor ihren Gast, als könnte sie sich damit ihre Beute sichern. „Das ist kein… ich habe nicht… Yu’Merique! Vellonseon!“ Die Namen hatte sie gekreischt und Ascan ahnte, dass die nächsten beiden Spinnen sich nicht so leicht würden abschütteln lassen. Die Flügel fest anziehend, schritt er weit aus, den gepanzerten Handschuh vorgestreckt, was die Weberin prompt vom Hocker rutschen ließ. Statt seinem Befehl jedoch nachzukommen, klammerte sie sich – bitterste Flüche keifend - an den Betäubten.

„Im Namen Epheons, weg, hab ich gesagt!“ Im selben Moment, als Ascan die schimpfende Alte mit einem entschlossenen Ruck vom Gefangenen trennte, flog die Tür zur Kammer auf. Zwei Paar schwarzer Augen, umrahmt von zu vielen Farben, begegneten dem stahlgrauen Fokus des Adlers. Gezogene Waffen schimmerten. Aliêsora, zu Boden gestürzt, jaulte. Kurz erwog Ascan seine Chancen gegen zwei Spinnenprinzen. Schon stürzte einer der beiden vor. Flussgeist? Wohl kaum! Beherzt griff der Adler nach dem schlanken Leib des Gefangenen. Dessen geschlossene Augenlider zuckten, doch er wurde nicht wach. Nebelgeist? Untrüglich.
Schon sauste eine Klinge dort entlang, wo eben noch seine Kehle gewesen war. Rückwärts ausweichend, den Benebelten über die Schulter werfend, hörte Ascan dessen Schmuck auf seinem Schulterschutz klimpern. Was war dieser Kerl bloß für ein eitler… Nur knapp verfehlte etwas seinen Hals. Dem scharfen Zischen des Geschosses folgte ein kalter Luftzug. Im Türrahmen legte der zweite Prinz blitzschnell einen weiteren Pfeil auf. Doch der Sylph hatte den Durchbruch erreicht, schmetterte einen Klingenhieb des kurzhaarigen Angreifers mit der Armschiene ab und spendierte der schwarzen Visage zum Abschied einen Fausthieb, ehe er rücklings ins Freie sprang. Der dicht folgende Pfeil durchstieß seine Federn, drang jedoch in keinen Muskel. Der freie Fall beschleunigte die Flucht. Der Schütze erschien noch am Rand der Traumnadel, doch sein nächster Pfeil verfehlte den Adler um Längen.

Ein triumphales Grinsen auf den Lippen, streckte Ascan seine Schwingen auf ganzer Breite, verwandelte den Sturz in eine rauschende Drehung und tauchte auf Nimmerwiedersehen unter der nächsten Flechtbrücke hindurch. Der vielschichtige Komplex der Yi’Zari war zur Ausnahme auf seiner Seite. Nicht einmal die flinkesten Spinnen würden in der Lage sein, seiner Route zu folgen. Ganz davon abgesehen, dass die Sternenweberin davon ausgehen musste, dass er postwendend zu seinem Trupp zurückkehren würde, was eine Verfolgung obendrein gefährlich machte. An Höhe gewinnend, spürte Ascan die Blicke der Bewohner, die sich allesamt rasch wieder abwandten. Bei allen Vorzügen seiner baalitenen Rüstung … auch er riskierte hier gerade, ins Fadenkreuz zu geraten.